Dübendorf
Studienauftrag Wohnüberbauung Casinostrasse
«Masshalten beim Entwerfen und Konstruieren sowie sorgfältiges Abwägen bei Langfristgedanken»



Der Wohnflächenverbrauch pro Person liegt heute bei über 50m2 und wächst jährlich. Vor 20 Jahren lag er bei 39m2. Die Schweiz lebte 1964 noch als 2000-Watt Gesellschaft, was das Resultat aus Verfügbarkeit von Raum, von technischen Hilfsmitteln und nicht zuletzt den damaligen Verhältnissen, den angepassten Erwartungen sowie den Anforderungen an die Gebäude entsprach. Dies war, als die Expo in Lausanne ihre Tore öffnete. Man begnügte sich mit dem wenig Verfügbaren und war damit zufrieden! Die Botschaft des Masshaltens (Suffizienz), gepaart mit einem vernünftigen Komfort ist deshalb für den vorliegenden Entwurf zum zentralen Thema geworden. Mit den Mitteln einer kontrollierten und wohlbemessenen Volumetrie, einer zurückhaltend formulierten Materialisierung sowie Grundrissen, welche die Qualitäten des Ortes in den Innenräumen erlebbar machen, haben wir versucht, dem Zeitgeist entsprechende Antworten auf die gestellten Fragen zu finden.



Konzeptidee

Drei sich verwandte, kompakte, in ihren Dimensionen jedoch unterschiedliche Volumen besetzen das Grundstück. Die Gebäude begleiten geordnet die Casino- und Bettlistrasse und führen damit das gewohnte städtebauliche Muster der umliegenden lockeren Besiedlung fort. Die orthogonale Setzung entlang der Strassen befreit sich gartenseitig und generiert die fünfeckige Grundform. Massgebend bestimmt wird diese Formfindung durch Aussicht, Besonnung und den Willen, keine klassischen Gebäuderückseiten zu schaffen. Der Bezug zum Aussenraum, Durch- und Ausblicke in die nähere und weitere Umgebung und die Tageslichtführung in den Wohnungen sind hier entscheidend für die Ausgestaltung der Grundrisse. Die Verankerung der Gebäude im Gelände wird besonders im Schnitt lesbar, der die topographischen Verhältnisse der Hanglage abbildet.

Die Aussenanlagen sind ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts. Vorgärten zur Casinostrasse, Gebäudezugänge, halböffentliche Bereiche und Wege sowie die Privatgärten bilden ein ganzheitliches Gewebe über das Grundstück, welches der Überbauung einen eigenständigen Charakter im Quartier verleiht und damit Identität stiftet.



Gestalterische Umsetzung

Die virtuelle Firstrichtung erlaubt baurechtlich mit dem Attikageschoss die nördlichen Gebäudeecken volumetrisch markant auszuformulieren und damit die je eigenständige Adressbildung an der Casinostrasse zu stärken. Mit dem Thema der Vorgärten werden hier die Zugänge zu den Häusern und halböffentlichen Aussenräumen definiert. Eine bewusste Ausnahme bildet der separate Zugang zum Arbeits- und Sitzungszimmer der Pfarrwohnung von der Bettlistrasse her.

Im Schnitt wird der Zugang auf Strassenebene über die zentrale, von oben belichtete Treppenhalle räumlich mit dem Gartengeschoss verknüpft. Dadurch wird eine dem Geländeverlauf entsprechende Durchwegung des Hauses erreicht und gleichzeitig die Gartenwohnung adäquat erschlossen.

Die zwischenliegenden Gärten haben einen offenen Charakter und verbinden sich entlang der südöstlichen Grundstücksgrenze mittels eines Fussweges mit der attraktiven Freihaltezone an der Glatt. Nebst den gartenseitigen Hauszugängen und der Erschliessung der Veloräume wird die Aussenraumnutzung durch die Ansiedlung von Kinderkrippe und Gemeinschaftsraum zusätzlich aufgewertet. Die privaten Aussenräume der Gartenwohnungen werden hingegen durch Bepflanzung vor Einsicht geschützt.

Die gemeinsame Garagenzufahrt erfolgt am unteren Ende der Casinostrasse. Die Option zur Realisierung von zusätzlichen Stellplätzen ist in den Plänen dargestellt.



Wohnungsgrundrisse

Zwei Dreispänner und ein Vierspänner bilden die Grundlage zur Situierung der Wohnungen. Der geforderte Mix an 2 ½ - 5 ½ - Zimmer Wohnungen wird in einem Schlüssel ausgewiesen. Der Standard entspricht dabei jenem von Eigentumswohnungen und berücksichtigt die erhöhten Anforderungen an altersgerechte Wohnbauten. Um die zentrale Treppenhalle wird ein Kranz mit den Entrées und Nebenräumen gelegt. Die Wohnungen sind in offene Tages- und intimere Schlafbereiche gegliedert. Während die Schlafzimmer üblicherweise mit einer orthogonalen Geometrie vor allem auf die Bedürfnisse einer guten Möblierbarkeit reagieren, bilden Wohn- und Essbereich zusammen mit der Küche eine räumliche Einheit, in welche die grosszügige Terrasse mit einbezogen wird. Die freiere Geometrie unterstützt hier diese Absicht: Sie erlaubt diagonale Sichtbezüge, welche räumliche Grosszügigkeit schaffen und bietet im Aussenbereich zugleich geschützte Bereiche ohne Einsicht der Nachbarn.

Über die Treppenhalle werden im Sockelgeschoss nicht nur die Gartenwohnungen, sondern auch Bastel-, Wasch- und Trockenräume sowie die Einstellhalle und Velostellplätze erschlossen. Mit dem Gartenausgang erschliesst sich hier zudem der gemeinsam genutzte Aussenraum.

Insgesamt entstehen damit zeitgemässe Wohnungen mit der nötigen Infrastruktur, die ein modernes Wohngefühl zu vermitteln vermögen.



Materialisierung und Umsetzung

Die Gebäude sind äusserst kompakt konzipiert und zurückhaltend materialisiert. Verputzte umlaufende Brüstungsbänder betonen die Horizontalität und bestimmen damit das Thema der Hülle. Dazwischen liegen die ebenfalls horizontal verlaufenden Fensterbänder, welche von opaken, mit Steinzeug-Fliesen verkleideten Wandflächen unterbrochen werden. Verputz, Glas und Steinzeug sind für die Aussenhaut robuste, langfristig nutzbare und unterhaltsarme Materialisierungen, die sich über die Jahre in unseren Breitengraden bewährt haben. Die Proportion der Bandmasse sowie deren Farbigkeit geben der Überbauung eine kultivierte und unverwechselbare Erscheinung.

Trotz der geforderten Grosszügigkeit versucht der vorliegende Entwurf mit bescheidenen Mitteln auszukommen. Die kompakte, ohne Vor- und Rücksprünge über beinahe den gesamten Gebäudeperimeter verlaufende Dämmschicht verspricht tiefe Kosten und eine optimale Erfüllung des Minergie-P-Standards, welcher durch den Fensteranteil (31%), die Wahl der geeigneten Energieträger und eine zeitgemässe Gebäudetechnik erreicht wird.

Die Abfolge von regelmässig wechselnden Ausführungsdetails (Fenster-Aussenwand) wird durch horizontale Arbeitsabschnitte (Fassadenbänder) vereinfacht und wird einen entsprechend effizienten Bauprozess zur Folge haben.

Client:
Evangelisch / reformierte Kirche Dübendorf
Year:
2011
Status:
competition
Categories:
residential